Zecken richtig entfernen: Drehen oder ziehen?

Vollgesogene Zecke mit Utensilien zur richtigen Zeckenentfernung: Zeckenkarte, Pinzette und Zeckenheber

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kann es passieren, dass sich eine Zecke am Körper festsaugt. Noch immer existieren die unterschiedlichsten „Ratschläge“, wie die Zecke am besten entfernt oder unschädlich gemacht werden soll. Einige davon, beispielsweise das Beträufeln mit Öl oder Klebstoff, schaden jedoch mehr als sie helfen. Wie reagiert man dagegen richtig? Und die Frage aller Fragen: Beim Herausziehen drehen oder nicht?


Zecken entfernen – mit Fingerspitzengefühl

Entdecken Sie eine Zecke, sollte diese so schnell wie möglich entfernt werden. Denn je länger die Zecke ungestört saugen kann, desto größer wird auch die Gefahr, dass sie dabei gefährliche Krankheiten wie die Borreliose überträgt. Beim Entfernen empfehlen Experten folgende Vorgehensweise:

  • Greifen Sie die Zecke zum Entfernen mit einer Pinzette oder einer Zeckenkarte an ihrem Mundwerkzeug ganz nah an der Hautoberfläche. Passen Sie dabei auf, dass Sie sie nicht am vollgesogenen Hinterleib erwischen, da dieser leicht gequetscht werden kann. Würde es dazu kommen, bestünde die Gefahr, dass Erreger in die offene Wunde gedrückt werden.
  • Ziehen Sie die Zecke nun behutsam senkrecht nach oben. Es ist wichtig, die Zecke unbeschädigt und mit möglichst wenig Druck auf den Körper zu entfernen. Oftmals wird auch empfohlen, den Parasiten herauszudrehen. Da das Mundwerkzeug der Zecke jedoch kein Gewinde, sondern Widerhaken besitzt, ist es besser, sie mit einer geraden Bewegung zu entfernen. Hat sich die Zecke an einer Stelle festgesetzt, die Sie selbst schwer erreichen, zum Beispiel am Rücken, sollten Sie eine andere Person um Hilfe bei der Entfernung bitten.
  • Desinfizieren Sie den Zeckenbiss anschließend und überprüfen Sie, ob die Zecke tatsächlich komplett entfernt wurde, ansonsten kann sich die Wunde entzünden.
  • Beobachten Sie in den nächsten Tagen die Einstichstelle der Zecke. Wenn sich die Einstichstelle verfärbt oder sich ein roter Ring, die sogenannte Wanderröte, um die Stelle herum bildet, suchen Sie bitte sofort einen Arzt auf. Die Wanderröte ist ein mögliches Anzeichen für eine Borreliose.

Achtung:

Keinesfalls sollten Sie eine Zecke mit Öl, Nagellackentferner oder anderen Substanzen ersticken. Im Todeskampf entleeren Zecken nämlich ihren Darminhalt, in dem sich zahlreiche Krankheitserreger befinden. Bakterien und Co. würden dadurch folglich sogar noch schneller in den menschlichen Körper gelangen.

Welche Utensilien zum Zeckenentfernen gibt es?

Zum Entfernen der Zecke gibt es in der Apotheke verschiedene Hilfsmittel, die vom Grundprinzip alle ähnlich funktionieren. Es stehen folgende Utensilien zur Verfügung – die alle ihre Vor- und Nachteile haben:

  • Zeckenzange: In der Apotheke sind verschiedene Modelle von Zeckenzangen erhältlich – aus Plastik oder Edelstahl. Mit ihnen können Sie die Zecke gut an ihrem Mundwerkzeug greifen und vorsichtig herausziehen. Die Zangen sind manchmal allerdings etwas grob und können vor allem kleinere Zecken nur schwer greifen.
  • Zeckenkarte: Legen Sie die Karte auf Ihre Haut und richten sie so aus, dass der Schlitz unmittelbar auf die Zecke zeigt. Schieben Sie die Karte nun langsam unter die Zecke und ziehen Sie die Zecke mit einer Bewegung – erst nach vorne, dann nach oben – heraus. Zeckenkarten funktionieren normalerweise gut, sind aber bei ungünstigen Körperstellen (wie unter den Achseln) schwierig anzuwenden, da die Auflagefläche für die Karte fehlt.
  • Zeckenlasso: Das Zeckenlasso ist eine Art Stift, an dem sich unten eine kleine Schlaufe befindet. Legen Sie die Schlaufe behutsam um die Zecke. Oben am Stift befindet sich meist ein Knopf, mit dem Sie die Schleife enger stellen können. Schließen Sie die Schlaufe um die Mundwerkzeuge der Zecke und ziehen Sie sie dann senkrecht nach oben. Durch die Methode ist es möglich, die Zecke nahe an der Haut zu erwischen, jedoch ist die Handhabung der Schlinge nicht ganz einfach.

Haben Sie keinen speziellen Zeckenentferner zur Hand, können Sie auch eine einfache Pinzette verwenden. Diese sollte am vorderen Teil bestenfalls leicht gebogen und spitz sein, um die Zecke besser greifen zu können.

Tipp:

Gerade im Frühling und Sommer sollten Sie sich stets gut auf Zecken vorbereiten, wenn Sie eine längere Wanderung unternehmen. Neben einem geeigneten Zeckenschutz sollten Sie deshalb immer eine Zeckenzange oder Zeckenkarte miteinpacken. Beide nehmen nicht viel Platz im Rucksack ein und wappnen Sie im Notfall gegen die kleinen Plagegeister.

Was passiert, wenn der Kopf der Zecke stecken bleibt?

Beim Entfernen der Zecke kann es manchmal passieren, dass der Körper abreißt und der „Zeckenkopf“, oder genauer gesagt ein Teil des Mundwerkzeuges, in der Haut stecken bleibt. Aber ist das schlimm? Und was macht man in diesem Fall?

Als Erstes sollten Sie nicht in Panik ausbrechen. Dass ein Teil der Zecke stecken bleibt, passiert durchaus öfter. War die Zecke mit FSME infiziert, haben Sie sich sowieso bereits angesteckt, sofern Sie nicht geimpft sind. Die Krankheitserreger, die für Borreliose verantwortlich sind, sitzen hingegen im Hinterteil (Darm) der Zecke. Wenn Sie die Zecke sofort entfernt haben, kann es sein, dass noch keine Übertragung stattgefunden hat. Sie sollten jedoch den Zeckenstich desinfizieren und ein Herumstochern in der Wunde vermeiden, um das Entzündungsrisiko durch den Fremdkörper zu verringern. Außerdem ist es ratsam die Einstichstelle in den nächsten Tagen gut zu beobachten. Auftretende Wanderröte ist beispielsweise ein Anzeichen für Borreliose und muss umgehend ärztlich behandelt werden. Nach einiger Zeit wird der „Zeckenkopf“ vom Körper in der Regel selbst wieder abgestoßen. Andernfalls sollten Sie einen Arzt aufsuchen, der das Überbleibsel der Zecke chirurgisch entfernen kann.

Die Zecke entsorgen – aber wo und wie?

Ist die Zecke entfernt, stellt sich im Anschluss vor allem eine Frage: Was macht man mit ihr? Diese Frage ist berechtigt, weil es zu vermeiden gilt, dass sich die Zecke weitere Opfer sucht und womöglich Krankheiten verbreiten kann. Da Zecken sehr widerstandsfähig sind, kann es sinnvoll sein, sie zu verbrennen. Effektiv ist es jedoch auch, sie einfach zu zerquetschen. Am besten wickeln Sie die Zecke in ein Papiertuch ein und zerdrücken sie dann mit einem festen Gegenstand, wie zum Beispiel einem Stein oder Glas. Aber auch mit Ertränken in 70-prozentigem Alkohol sind Sie auf der sicheren Seite. Die Beseitigung in der Toilette ist dagegen weniger sicher, weil die Zecken für gewisse Zeit unter Wasser überleben können.

Andere Leser interessierte auch:

Prävention vor Zeckenbissen: Zeckenschutz >>

Durch Zecken übertragen: FSME >>

Leiden Sie an Zeckenbissallergie? >>