Borreliose: Kleiner „Biss“ mit großen Folgen

Wanderröte am Bein eines Mannes nach einem Zeckenstich: Anzeichen einer Borreliose-Erkrankung

Sobald die ersten Sonnenstrahlen Wanderer und Spaziergänger aus den Häusern locken, lauern sie auch schon wieder am Wegesrand – die Rede ist von Zecken. Und sie sind durstig nach unserem Blut. Für Menschen kann der Stich der kleinen Tierchen jedoch gefährlich werden. Schätzungsweise jede dritte Zecke trägt den Borreliose-Erreger in sich. Während viele Menschen erkranken, ohne es zu bemerken, löst die Infektion bei anderen einen langen Leidensweg aus. Informieren Sie sich hier über Symptome und Behandlungsmöglichkeiten bei Borreliose.

Wie übertragen Zecken die Lyme-Borreliose?

Die US-amerikanische Kleinstadt Lyme im nordöstlichen Bundesstaat Connecticut werden zwar die wenigsten kennen, dafür ist ihr Name weltberühmt. In den 1970er Jahren beobachteten Forscher dort ein vermehrtes Auftreten von Gelenkentzündungen infolge von Zeckenstichen. Daher wird die von Zecken verursachte Krankheit auch als Lyme-Borreliose bezeichnet. Aber erst 1983 gelang dem Bakteriologen Willy Burgdorfer der Nachweis der spiralförmigen Bakterien (Borrelia burgdorferi), die für die Beschwerden verantwortlich sind. Sie halten sich im Darm der Zecke auf.

Die häufigste Zeckenart, die in Deutschland Menschen sticht, ist der Gemeine Holzbock. Wie viele seiner Artgenossen wartet er vor allem von Frühling bis Herbst in hohen Gräsern und Sträuchern auf vorbeistreifende Wanderer und krallt sich an diese. Dann suchen sich die Zecken eine geschützte Stelle am menschlichen Körper, zum Beispiel unter der Achsel oder am Kopf, um mit ihrem mit Widerhaken besetzten Stechapparat in den Körper ihres neuen Wirtes zu stechen und dann das Blut auszusaugen. Bei diesem „Biss“ kann das Borreliose-Bakterium in die Blutbahn des Menschen gelangen. Aber nicht jeder Stich führt zu einer Übertragung der Infektion. Laut Robert-Koch-Institut1 tragen in einigen Regionen Deutschlands bis zu 30 Prozent der Zecken das Borreliose-Virus in sich. Während für die Zeckenkrankheit FSME Risikogebiete ausgewiesen sind, ist Borreliose deutschlandweit verbreitet. Etwa fünf Prozent der Menschen, die von Zecken mit Erreger gestochen werden, infizieren sich mit Borreliose.

Zecken rasch, aber vorsichtig entfernen

Zecken müssen so schnell wie möglich entfernt werden. Denn umso länger die kleinen Tierchen Blut saugen, umso größer ist die Gefahr einer Ansteckung mit dem Lyme-Borreliose-Virus. Bis eine Übertragung stattfindet, muss die Zecke nämlich in der Regel erst 12 bis 24 Stunden saugen. Beim Entfernen der Zecke sollte darauf geachtet werden, diese unbeschädigt herauszuziehen.

Weitere bekannte Überträger der Borreliose sind Bremsen und in vereinzelten Fällen Mücken durch Mückenstiche. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist bisher nicht bekannt.

Die Borreliose-Symptome im Überblick

Nicht immer muss eine Infektion mit Borreliose zu einer Erkrankung führen. Viele Infizierte bemerken gar nicht, dass sie Borreliose haben. Das Immunsystem kommt mit den Erregern im Körper alleine zurecht. Nur ein kleiner Anteil der Infizierten (etwa ein Prozent) zeigt Borreliose-Symptome. Das tückische an der Krankheit ist, dass die Symptome sehr unterschiedlich ausfallen und zum Teil sehr verzögert auftreten. Aus diesem Grund wird Borreliose häufig erst spät diagnostiziert. Typischerweise werden die Symptome in drei Stadien eingeteilt.

1. Stadium der Borreliose-Erkrankung: Charakteristische Wanderröte

Die Stelle des Zechenstichs sollte auch einige Wochen nach der Entfernung beobachtet werden. Ein Hinweis auf Borreliose ist nämlich die sogenannte Wanderröte. Bei etwa 60 Prozent der Erkrankten entwickelt sich einige Tage bis drei Wochen nach dem Stich eine kreisförmige Rötung um die Einstichstelle, die allmählich nach außen „wandert“ und einen Durchmesser von bis zu acht Zentimetern erreichen kann. Bei diesem gut erkennbaren Symptom sollte sofort ein Arzt aufgesucht und auch auf einen zurückliegenden Zeckenstich hingewiesen werden. Des Weiteren leiden Betroffene während der Frühphase an grippeähnlichen Symptomen wie

  • Kopfschmerzen,
  • Fieber,
  • Abgeschlagenheit und Müdigkeit sowie
  • Muskel- und Gelenkschmerzen.

Bluttests fallen trotz Infektion in diesem Stadium häufig negativ aus, weil der Körper erst nach einigen Wochen nachweisbare Antikörper gegen die Erreger produziert.

2. Stadium: Erkrankung von Organen bei Lyme-Borreliose

Im zweiten Stadium (einige Wochen bis sechs Monate nach der Infektion) greifen die Borreliose-Erreger Organe und Nerven an. Bei schwerem Verlauf kann auch das Zentralnervensystem betroffen sein. Erkrankte haben häufig starke Schmerzen, bei denen auch Schmerzmittel keine Linderung mehr verschaffen. Die Symptome können sich im Verlauf auf andere Körperteile ausbreiten oder verlagern. Zu den möglichen Symptomen im zweiten Borreliose-Stadium gehören:

  • Schwellungen der Gelenke
  • Lähmungserscheinungen (vor allem im Gesicht)
  • Entzündungen der Nerven (bei Kindern vor allem Hirnhautentzündung)
  • Herzrhythmusstörungen
  • Beeinträchtigung des Bewegungsapparates
  • Beeinträchtigung kognitiver Fähigkeiten

3. Stadium: Lyme-Arthritis

Chronische Spätfolgen der Borreliose-Infektion treten erst viele Monate bis Jahre nach dem Zeckenstich auf. Dies macht die Diagnose besonders schwer, da sowohl der Arzt als auch die Betroffenen die Symptome meist nicht mehr mit der Zecke in Verbindung bringen. Bis die richtige Diagnose gestellt wird, haben Betroffene deshalb oft einen langen Leidensweg hinter sich. Eine der häufigsten chronischen Folgen ist die sogenannte Lyme-Arthritis. Dabei handelt es sich um eine Gelenkentzündung, die eine oder mehrere Gelenke betreffen kann. Außerdem kommt es bei etwa zehn Prozent aller unbehandelter Lyme-Borreliose-Erkrankungen zu dem Hautleiden Acrodermatitis chronica atrophicans (Herxheimer). Dieses äußert sich durch Entzündungen an den Innenseiten der Arme und Beine sowie an den Fingern und Füßen. Die Körperstelle zeigt sich zunächst stark gerötet und schwillt an. Im weiteren Verlauf erscheint die Haut bläulich und wird dann sehr trocken, dünn und bräunlich.
Des Weiteren kann sich auch die Schädigung der Nerven – bis hin zur Bewegungsunfähigkeit – verschlimmern.

Wie sieht die Behandlung bei Borreliose aus?

Je schneller Borreliose behandelt wird, desto besser sind die Erfolgschancen der Therapie. Aus diesem Grund sollte bei den beschriebenen Symptomen der Arzt über einen Zeckenstich informiert werden. Der Borreliose-Erreger kann auch über das Blut nachgewiesen werden, jedoch sind die Testverfahren sehr aufwendig und nicht immer eindeutig. Selten wird bei Borreliose-Verdacht auch die Rückenmarksflüssigkeit untersucht, meist nur bei einem chronischen Krankheitsverlauf.

Bei Borreliose verschreibt der Arzt Antibiotika. Die Therapie dauert in der Regel ein bis zwei Wochen. Auch in der späteren Phase ist die Borreliose noch mit Antibiotika behandelbar. Dauerhafte Schäden, die infolge der Borreliose-Erkrankung entstehen, werden symptomatisch behandelt. Nach einer überstandenen Infektion können sich Menschen aber erneut infizieren, die Infektion macht nicht immun.

Vor Zecken schützen!

Im Gegensatz zu der zweithäufigsten Zeckenkrankheit FSME gibt es keine Impfung gegen Borreliose. Umso wichtiger ist es, sich vor Zeckenstichen zu schützen. Lange Kleidung bei Spaziergängen im hohen Gras oder die Verwendung von Insektenschutzmittel sind effektive Maßnahmen, um Krankheiten durch Zecken zu vermeiden.

Gelangen Sie hier direkt zu den Themen:
Wie entfernt man Zecken richtig?
So schützen Sie sich vor Zecken!
Was ist FSME?

1vgl. Robert-Koch-Institut (2014): http://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Borreliose/Borreliose.html; Aufruf am 07.04.2017