Japanische Enzephalitis: Gefahr lauert in der Nähe von Reisfeldern

Bauer auf dem Reisfeld: Reisfeldmücke als Überträger der Japanischen Enzephalitis

In einer Reihe asiatischer Länder und besonders dort, wo Schweinezucht und Reisanbau betrieben werden, schwirrt die Reisfeldmücke umher, die die Japanische Enzephalitis verursachen kann. Die Krankheit, an der jährlich weltweit 30.000 bis 50.000 Menschen erkranken1, kann eine Gehirnentzündung verursachen. Daher sollten sich Reisende genau überlegen, ob eine Impfung sinnvoll ist.



Vorkommen und Infektionsweg der Tropenkrankheit

Bei der Japanischen Enzephalitis (JE) handelt es sich um eine Erkrankung, die vor allem im südostasiatischen Raum verbreitet ist. Zu den betroffenen Ländern gehören beispielsweise: Indien, Pakistan, China, Japan, Korea, Thailand und Burma. Außerdem wurden Fälle in Ostsibirien und auf der Insel Guam beobachtet. Besonders häufig tritt die Erkrankung in ländlicheren Gebieten auf, wo die Menschen vom Reisanbau leben und Schweine halten.

Denn Schweine und einige Wasservögel gelten als Virusreservoir des Japanischen-Enzephalitis-Virus (JE-V). Das bedeutet, dass sich die Erreger in diesen Tieren vermehren, sie selbst aber keine Symptome zeigen. Das Japanische-Enzephalitis-Virus gehört wie die Erreger des Gelbfiebers und Denguefiebers zu der Familie der Flaviviradae.

Auf den Menschen werden sie durch Stiche von verschiedenen nachtaktiven Stechmücken der Gattung Culex übertragen. Diese Zwischenwirte nehmen die Erreger während des Blutsaugens bei infizierten Schweinen oder Vögeln auf und geben sie bei der nächsten Gelegenheit an den Menschen weiter. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist daher nicht möglich.

Verlauf der Japanischen Enzephalitis

Bei den meisten Infizierten, vor allem bei Erwachsenen, verläuft die Japanische Enzephalitis völlig beschwerdefrei; sie bemerken die Erkrankung überhaupt nicht. Bei anderen können sich 5 bis 15 Tage nach dem Mückenstich erste Symptome zeigen. Dabei kann die Japanische Enzephalitis unterschiedlich stark verlaufen:

  • Bei milden Infektionen äußert sich die Tropenerkrankung mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber und Kopfschmerzen. Außerdem ist eine aseptische Meningitis möglich, eine Hirnhautentzündung, die in der Regel schwach verläuft.
  • Bei etwa einem von 500 Betroffenen, vor allem bei Kindern und älteren Menschen, kann die Japanische Enzephalitis jedoch schwer verlaufen. Es kommt zu einer akuten Meningoenzephalitis, einer Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute. Merkmale sind plötzlich auftauchende, starke Kopfschmerzen, hohes Fieber mit Schüttelfrost, Muskelschmerzen, Verwirrtheit und Bewusstseinseintrübungen. Kinder leiden darüber hinaus an Erbrechen und Durchfall. Ist ebenfalls das zentrale Nervensystem betroffen, liegt die Sterblichkeitsrate bei etwa 30 Prozent2. Aber auch diejenigen, die einen schweren Verlauf überstehen, können dauerhafte Schäden am Nervensystem beibehalten.
Gut zu wissen:

Menschen, die sich mit einer Japanischen Enzephalitis infiziert haben, sind nach der Erkrankung, egal ob sich Symptome gezeigt haben oder nicht, lebenslang immun.


Diagnose und Behandlung der Japanischen Enzephalitis

Die Diagnose der Japanischen-Enzephalitis-Viren erfolgt zum einen mittels Untersuchungen des Blutes oder der Gehirn- und Rückenmarkflüssigkeit (Liquor), wobei hierbei nur gelegentlich ein Nachweis des Erregers selbst gelingt. Mehr Aufschluss bietet meist ein Antikörpernachweis, bei dem das Blutserum (flüssiger Anteil des Blutes) auf Veränderungen getestet wird. In Deutschland gibt es spezielle Labors, die sich auf tropische Infektionserreger spezialisiert haben. Dazu zählt beispielsweise das Bernhard-Noch-Institut in Hamburg oder das Robert-Koch-Institut in Berlin.

Eine Heilung der Japanischen Enzephalitis ist bisher noch nicht möglich. Bei milden Verläufen, bei denen das Gehirn nicht betroffen ist, kann der Arzt entzündungshemmende Schmerzmedikamente gegen die Symptome verabreichen. Bei einer akuten Gehirnentzündung kann hingegen eine intensivmedizinische Behandlung notwendig sein. Die Ärzte überwachen den Hirndruck und sind zur Stelle, um ihn gegebenenfalls zu reduzieren. Außerdem wird die Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff und Nährstoffen sichergestellt.

Vorbeugung: Ist eine Impfung gegen Japanische-Enzephalitis-Viren sinnvoll?

Eine Reise nach Pakistan oder Südkorea abseits vom Massentourismus – diese Vorstellung lockt immer mehr junge Abenteurer. Jedoch lauern gerade in ländlicheren Regionen die Stechmücken, die die Japanische Enzephalitis übertragen können. Wie schützen sich Reisende am besten?

Seit 2009 ist in Deutschland ein Impfstoff gegen das Tropenvirus zugelassen. Dabei handelt es sich um einen Totimpfstoff, der nur abgetötete Krankheitserreger enthält. Er kann ab einem Alter von zwei Jahren verabreicht werden. Für die vollständige Wirkung gegen die Japanische Enzephalitis sind zwei Impfungen in einem Abstand von 28 Tagen notwendig. Schwangere und stillende Frauen sowie Menschen mit Immunstörungen dürfen nicht geimpft werden.

Da der Impfstoff noch relativ neu ist, gibt es noch keine ausreichenden Erkenntnisse über alle möglichen Nebenwirkungen – bisher wurden leichtere Symptome wie Kopfschmerzen, Gliederschmerzen oder Müdigkeit beobachtet. Deutsche, die ihren Urlaub in Risikogebieten geplant haben, sollten Risiko und Nutzen einer Impfung gegen die Japanische Enzephalitis selbst abwägen. Das Risiko zu erkranken, liegt bei Reisenden in den betroffenen Regionen bei weniger als zwei zu einer Million. Jedoch kann eine Impfung beispielsweise bei längeren Aufenthalten sinnvoll sein.

Wichtig:

Ebenso spielt ein Insektenschutz eine wichtige Rolle bei der Prophylaxe. Wirksam sind beispielsweise das Tragen langer Kleidung, die Verwendung von Insektenschutzmitteln und Moskitonetze über dem Schlafplatz.

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1Neumeister, B. et al. (2009): Mikrobiologische Diagnostik. (2. Auflage). Thieme-Verlag. S. 47.

2Robert-Koch-Institut (2011): Steckbriefe seltener und importierter Infektionskrankheiten. S. 24-25.