Hornissen: Nicht so gefährlich wie ihr Ruf

30. März 2021
13 Min.

Hornissen jagen vielen Menschen Angst ein, weil sie im Vergleich zu Bienen und Wespen verhältnismäßig groß sind und einem die Warnungen aus der Kindheit noch in den Ohren klingen. Fakt ist jedoch, dass sieben Hornissenstiche kein Pferd töten und Hornissen sogar friedlicher sind als ihre Artgenossen – solange ihr Nest unversehrt bleibt. Was Sie beachten müssen, wenn Sie ein solches im eigenen Garten finden und wie die Stechinsekten leben, erfahren Sie hier.

Bild zeigt Großaufnahme einer Hornisse.


Überblick:


Häufig gestellte Fragen zu Hornissen:

Wie groß sind Hornissen? Eine Hornisse ist größer als die Gemeine Wespe oder Biene. Mit 3 bis 4 Zentimetern ist sie eines der größten staatenbildenden Insekten unserer heimischen Tierwelt.1

Sind Hornissen gefährlich? Nein, die Stiche sind für gesunde Menschen nicht giftiger als die von Bienen oder Wespen. Allerdings verursachen Hornissenstiche häufig starke Schmerzen und Juckreiz. Wie bei allen Insektenstichen sind zudem allergische Reaktionen möglich.

Wie kann man Hornissenstiche behandeln? Bei einem Hornissenstich sollten Sie sofort auf Maßnahmen wie das Kühlen der Einstichstelle zurückgreifen. Zudem können Hausmittel (zum Beispiel das Auflegen einer halbierten Zwiebel) hilfreich sein.

Darf man Hornissen umsiedeln? Hornissen gehören in Deutschland zu den geschützten Tierarten. Wer Nester ohne Genehmigung zerstört, riskiert erhebliche Geldbußen bis zu 50.000 Euro.8 Das Umsiedeln ist nur in bestimmten Ausnahmen und mit Genehmigung der Naturschutzbehörden erlaubt.

So erkennen Sie eine Hornisse

Die Hornisse zählt zur Gattung der Hautflügler (Hymenoptera) und gehört der Familie der Faltenwespen an. Seit 1984 steht die Hornisse in Deutschland und einigen Bundesländern Österreichs unter Artenschutz. Hierzulande ist ursprünglich nur die Gattung Vespa crabro heimisch.

Hornissen gliedern sich in drei „Berufsklassen“:

  • die weibliche Königin, die 35 bis 40 Millimeter erreichen kann2
  • Arbeiterinnen, die jeweils um die 18 bis 25 Millimeter groß sind 3
  • männliche Drohnen mit durchschnittlich 21 bis 28 Millimetern3

Damit sind Hornissen im Vergleich zu ihren Verwandten, den Bienen und Wespen, deutlich größer. Die Königinnen der Gemeinen und Deutschen Wespe kommen beispielsweise nur auf etwa 20 Millimeter. 4

Aha!

Noch mächtiger als die heimischen Hornissen sind einige Arten in Ost- und Südostasien. Die dort lebende Riesenhornisse wird bis zu 45 Millimeter groß, wobei die Königin sogar eine stattliche Größe von 55 Millimetern erreichen kann.

Weitere Charakteristika der Hornisse sind

  • ihre schlanke Taille („Wespentaille“) zwischen Brustkorb und Hinterleib,
  • eine rot-braune oder schwarze Brust (im Vergleich zur Wespe hat die Hornisse dort keine gelben Zeichnungselemente)
  • ein gelb-schwarzer oder gelb-brauner Hinterleib
  • ein auffällig breiter Hinterkopf.

Der Stachel der Hornisse besitzt im Gegensatz zur Honigbiene keinen Widerhaken. Das bedeutet, dass die Hornisse ebenso wie die Wespe mehrmals zustechen kann.

Lebensweise von Hornissen

Den kalten Winter überleben ausschließlich die Jungköniginnen und ein paar unbegattete Weibchen an gut geschützten Orten, etwa unter Moosen oder Rinden von Bäumen. Anfang Mai erwachen die zukünftigen Königinnen, die bereits im Vorjahr befruchtet wurden, aus ihrem Winterschlaf und begeben sich sogleich – jede für sich – auf die Suche nach einem neuen Zuhause für ihren Staat. Bevorzugt entscheiden sie sich dabei für trockene, dunkle Hohlräume, zum Beispiel in Bäumen. Stehen nur Vogelnistkästen oder Geräteschuppen auf dem „Wohnungsmarkt“ zur Verfügung, erfüllen diese ebenfalls ihren Zweck.

Hat eine Jungkönigin sich für eine neue Bleibe entschieden, beginnt sie sogleich mit dem Nestbau. Sie sammelt weiches Totholz, zerkaut es und baut daraus wabenförmige Zellen. Pro Tag schafft sie knapp zwei Zellen. In jeder Zelle legt sie ein Ei ab. Nach etwa 30 bis 50 Tagen – etwa Mitte Juni – entwickeln sich aus den Larven erste Arbeiterinnen.5 Fortan übernehmen sie die Aufgaben der Königin, die sich von nun an nur noch mit dem Eierlegen beschäftigt. Konkret gehören dazu:

  • die Weiterführung des Wohnungsbaus
  • das Füttern von Larven und Königin
  • die Verteidigung des Nests

Der Staat kann zwischen Ende August und Mitte September aus 400 bis 700 Hornissen bestehen.6 In diesem Zeitraum legt die Königin auch spezielle Eier, aus denen die Drohnen (Hornissenmännchen) und neue Jungköniginnen schlüpfen. An schönen Herbsttagen unternehmen sie Flüge im Freien und paaren sich. Hornissen bleiben nie zwei Jahre im selben Nest, können sich aber im darauffolgenden Jahr direkt daneben wieder ansiedeln.

Hornissennest am Haus oder im Garten – was tun?

Hornissen auf einem Hornissennest.

Hornissennester sieht man nicht gerne im eigenen Garten, vor allem, wenn dort häufig kleine Kinder herumtoben. Dennoch ist es nicht erlaubt, das Nest eigenständig zu entfernen und die Tiere zu töten. Denn: In Deutschland sind die Tiere geschützt. Ein Nest darf nur mit einer Ausnahmeregelung (zum Beispiel, wenn ein Allergiker in der Familie lebt oder sich das Nest im Spielbereich eines Kindergartens befindet) und von geschultem Personal entfernt werden. Genauere Auskunft erteilt Ihnen Ihre Stadt oder Gemeinde. Zerstören Sie das Zuhause der Hornissen selbstständig, droht ein hohes Bußgeld bis zu 50.000 Euro.8

Normalerweise ist es aber ohnehin möglich, sich gut mit einem Hornissennest im eigenen Garten zu arrangieren. Am besten Sie bewahren Ruhe und beachten ein paar einfache Verhaltensregeln:


  • Erklären Sie Ihren Kindern, dass sie mindestens 5 Meter Abstand zum Hornissennest halten sollen.1
  • Vermeiden Sie hektische Bewegungen in der Nähe des Nestes.
  • Machen Sie auch beim Rasenmähen am besten einen großen Bogen um das Zuhause der Hornissen.
  • Befindet sich das Hornissennest direkt vor Ihrem Fenster können Sie zudem ein Fliegengitter anbringen, damit sich kein Brummer im Haus verirrt.
  • Hornissen sind wasserscheu. Daher können Sie auch eine Sprühflasche mit feinem Wassernebel verwenden, um Tiere in Ihrer direkten Umgebung zu verscheuchen. Unterlassen Sie es jedoch, das Nest mit einem Wasserschlauch zu bespritzen. Ebenso sollte das Besprühen mit anderen Substanzen wie Haar- oder Insektensprays ein Tabu sein.
  • Des Weiteren lassen sich die Insekten mit bestimmten Gerüchen von beispielsweise den Fenstern fernhalten. Die Tiere mögen unter anderem keinen Geruch von Kaffee, Knoblauch, Zitronen, Räucherstäbchen oder Gewürznelken. Stellen Sie daher mit Nelken gespickte Zitronenscheiben auf oder greifen Sie alternativ auf Nelkenöl zurück.

Die gute Nachricht: Hornissen sind in der Regel sehr friedliche Tiere, die Konfrontationen eher aus dem Weg gehen. Im nächsten Jahr suchen sich die Insekten zum Glück dann sowieso ein neues Zuhause.

Gut zu wissen:

Die Hornisse ist ein Fleischfresser und natürlicher Feind von anderen Artgenossen.9 Aufgrund ihrer Größe und Stärke kann sie leicht andere Insekten wie kleinere Wespenarten erbeuten. Dadurch schützt ein Hornissennest in der Nähe eventuell auch vor anderen Plagegeistern.

Hornissen und Wespen im Vergleich: Wie gefährlich sind sie?

Bezüglich der Gefahr von Hornissen bestehen viele Vorurteile. Im Vergleich zu Wespen gelten Hornissen jedoch als eher friedliebende Insekten, die nur angreifen, wenn sie ihr Nest bedroht sehen. Am besten sollten Sie deshalb einen Sicherheitsabstand von zwei bis drei Metern zu einem Hornissennest halten und vor allem hektische Bewegungen sowie laute Geräusche in der Nähe des Nestes vermeiden.10 Auch für „süße Leckereien“ interessieren sich Hornissen nicht sonderlich. Außer Reichweite ihres Nestes tendieren Hornissen eher zur Flucht als zum Angriff. Dennoch kann es passieren, dass Sie versehentlich eine Hornisse bedrängen und diese zusticht. Hornissenstiche sind schmerzhaft, ähneln aber denen von Wespen und sind in der Regel sogar weniger schlimm als Bienenstiche. Das Gift der Hornissen erzeugt:


Bild zeigt die Hautreaktionen nach einem Hornissenstich.
  • starke Schmerzen
  • Juckreiz
  • Schwellungen
  • Rötungen um die Einstichstelle

In der Regel klingen die Symptome nach 2 bis 3 Tagen wieder ab, andernfalls sollte zur Sicherheit ein Arzt aufgesucht werden.11

Die Schmerzen bei einem Hornissenstich werden als etwas stärker beschrieben als die bei Biene- oder Wespenstichen. Das liegt an zwei Komponenten: Zum einen besitzt die Hornisse einen längeren und stärken Stachel, zum anderen enthält ihr Gift den Neurotransmitter Acetylcholin, der in Bienen- und Wespengift nicht enthalten ist. Der Botenstoff führt zur Reizung von Nervenzellen.

Entgegen einer weit verbreiteten Meinung sind die Stiche jedoch nicht toxischer. Theoretisch wären mehrere hundert bis tausend Hornissenstiche notwendig, um einen gesunden Menschen (mit etwa 70 Kilo) zu töten.7 Und selbst bei Kleinkindern besteht keine ernsthafte Gefahr.12

Wann sind Hornissenstiche gefährlich?

Potenziell gefährlich sind Stiche im Hals- und Rachenraum, weil die mit dem Stich einhergehende Schwellung zu einer Erstickung führen kann. Für diese Art von Stichen sind jedoch eher Wespen verantwortlich, die im Vergleich zu den Hornissen bevorzugt auf Süßes stehen. Landen Sie auf dem Marmeladenbrot oder in der Limonade, besteht die Gefahr, dass wir sie beim Trinken verschlucken. Gefährlich kann ein Hornissenstich auch bei einer allergischen Reaktion sein. Bei Anzeichen wie plötzlichem Schwindel, Übelkeit oder Kreislaufproblemen sollten Sie unverzüglich den Notarzt verständigen und Erste-Hilfe-Maßnahmen einleiten.

Hornissenstiche behandeln – das können Sie tun

Wurden Sie von einer Hornisse gestochen, können Sie einige Maßnahmen zur Behandlung ergreifen:


  • Drücken Sie nicht an der Einstichstelle herum und kratzen Sie die Wunde nicht auf. Dadurch können Keime hineingelangen und die Wunde entzündet sich. Besser Sie desinfizieren die Stelle mit einem für die Haut geeigneten Desinfektionsspray. Alternativ können Sie aber auch eine halbe, aufgeschnittene Zwiebel darauf halten oder mit einem Tuch befestigen. Der Saft der Knolle ist nicht nur kühlend, sondern wirkt ebenfalls leicht desinfizierend und entzündungshemmend.
  • Das effektivste Mittel, um die Schmerzen zu betäuben und die Schwellung zu reduzieren, ist das Kühlen. Hierfür eignen sich Kühlakkus oder Eiswürfel, die in ein Tuch oder einen Waschlappen gehüllt sind und für einige Minuten auf der Einstichstelle platziert werden. Das Eis sollte die Haut nicht direkt berühren, da ansonsten Erfrierungen drohen. Wird die Kälte als unangenehm empfunden, unterbrechen Sie die Kühlung für einige Minuten. Bei Bedarf können Sie den Vorgang anschließend wiederholen.

Treten Beschwerden wie Atemnot oder Schwindel nach dem Stich auf, könnten Sie eine Allergie haben. In diesem Fall müssen Sie schnell handeln: Kontaktieren Sie unverzüglich den Notruf!

Miriam Müller
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Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin
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