Bienen- und Wespenstiche: Symptome und Behandlung

12. Oktober 2020
12 Min.

In den Sommermonaten schwirren sie durch die Luft: Bienen und Wespen. Wer schon einmal einen Stich abbekommen hat, weiß, dass das ziemlich schmerzhaft und unangenehm ist. Für Allergiker kann der Stich sogar gefährlich werden. Nach dem Auftreten von Symptomen wie starken Schmerzen an der Stichstelle oder einer intensiven Schwellung ist schnelle Hilfe gefragt.


Übersicht:


Häufige Fragen zu Bienen- und Wespenstichen

Wann kommt es zu einem Bienen- oder Wespenstich?
Eine Biene oder Wespe sticht, wenn sie sich bedroht fühlt. Dies kann in der Nähe von Nestern der Fall sein oder wenn das Insekt durch Schlagen oder Quetschen in Gefahr gerät.

Bienen- oder Wespestich, wer war es wohl?
Beim Bienenstich bleibt der Stachel größtenteils in der Haut stecken. Wespen hingegen können ihren Stachel aus der Wunde zurückziehen, weshalb in diesem Fall kein Stachel an der Einstichstelle zu finden ist.

Wie werden Bienen- und Wespenstiche behandelt?
Bei einem Bienenstich entfernen Sie den Stachel. Anschließend, egal ob eine Biene oder Wespe gestochen hat, heißt es dann: Die betroffene Stelle kühlen und gegebenenfalls einen Stichheiler verwenden. Mitunter lässt sich durch das Hochlegen des betroffenen Bereiches, etwa Arm oder Bein, das Ausmaß der Schwellung etwas begrenzen.

Typische Symptome bei einem Bienen- oder Wespenstich

An der Stelle des Stichs breitet sich akut ein brennender Schmerz aus. Es bildet sich eine Rötung sowie Schwellung aus. Meist ist diese kleiner als 10 Zentimeter im Durchmesser und klingt innerhalb eines Tages deutlich wahrnehmbar ab.3 Bis zu einem Viertel der Betroffenen reagieren – vermutlich allergisch bedingt – mit einer schwereren örtlichen Reaktion: Die Schwellung ist größer, bleibt über mehrere Tage bestehen und ist unter Umständen Auslöser einer nichtinfektiösen Lymphangitis (entzündete Lymphbahnen).3 Dies wiederum zeigt sich bei den Betroffenen häufig in Form eines roten Streifens, der von der Einstichstelle Richtung lokaler Lymphknoten zieht (irrtümlicherweise oft für das Anzeichen einer Blutvergiftung gehalten).

Aber auch Allgemeinbeschwerden wie Krankheitsgefühl, Fieber und Schüttelfrost sind bei Bienen- und Wespenstichen denkbar.

Stich in Mund oder Hals: Wenn die Schwellung die Atmung behindert

Egal ob allergisch gegen Insektengift oder nicht – bei einem Stich im Mund- oder Halsbereich kann die gestochene Person in Lebensgefahr geraten, denn: Die Ausbreitung der lokalen Schwellungen auf Stimmlippenapparat und Luftröhre kann zu verengten Atemwegen und somit zu erheblicher Atemnot und der Gefahr des Erstickens führen.

Bienen- und Wespenstiche: Behandlung

Im Gegensatz zu einem von einer Wespe verursachten Stich, bleibt bei einem Bienenstich der Stachel mitsamt seiner Widerhaken meist in der Haut stecken. Zuallererst gilt es also, den Stachel zu entfernen. Jedoch ohne dabei die zum Stachelapparat der Biene gehörende Giftblase zu zerdrücken, da sonst noch mehr Gift unter die Haut gelangen würde. Sehen Sie davon ab, den Stachel mit Ihren Fingern herauszuziehen, sondern schnippen Sie ihn mit dem Fingernagel weg. Alternativ können Sie mit einer Karte oder der stumpfen Seite eines Messers horizontal über die Haut im Bereich der Einstichstelle schaben, um so den Stachel zu entfernen.

Bei Bienen- und Wespenstichen gilt gleichermaßen: Kühlen Sie den Stich sofort! Das lindert die Schwellung und den Schmerz. Kühlkompressen eignen sich dazu genauso wie ein feuchtes Tuch. Geht die Schwellung nicht zurück, können Sie auf Hausmittel wie Quarkwickel zurückgreifen, die kühlend und entzündungshemmend wirken. Lassen Sie den Quarkwickel auf der Einstichstelle, bis er angetrocknet ist und heben Sie ihn dann vorsichtig ab. Ein weiteres Hausmittel ist eine rohe Zwiebel. Schneiden Sie diese auseinander und massieren Sie die Einstichstelle ein paar Minuten lang mit der Zwiebel. Neben dem kühlenden Effekt bindet der Saft der Zwiebel das Insektengift, hilft, den Juckreiz zu stillen, und wirkt abschwellend.1

Natürliche Hausmittel bei Bienen- und Wespenstichen

Kühlende Gels aus der Apotheke tragen dazu bei, den Juckreiz und die Schwellung zu verringern. Fragen Sie hierbei nach dem für Sie passendsten Produkt bei dem Apotheker Ihres Vertrauens.

Sie können sich auch eines sogenannten Stichheilers bedienen, einem Gerät, mit dem Sie Insektenstiche wie Bienen- und Wespenstiche äußerlich behandeln. Die Kontaktfläche des Stichheilers wird an der Einstichstelle platziert und anschließend einige Sekunden lang auf 50 Grad Celsius erhitzt.2 Die Wärme bewirkt unter anderem, dass die Eiweiße des Insektengifts zerfallen und so die Abwehrreaktion des Körpers auf den Stich verringert wird.

Wie kann man Bienenstiche und Wespenstiche unterscheiden?

Anhand einiger Merkmale lässt sich erkennen, ob es sich um einen Wespen- oder Bienenstich handelt.

  Bienen (Königinnen und Arbeiterinnen) Wespen
 Aussehen dicklich, bräunlich, behaart, mit schwarzen Streifen schwarz-gelbe Musterung, deutliche “Wespentaille”
 Stachel verbleibt nach dem Stich  meist in der Stichstelle Stachel kann von den Weibchen in der Regel wieder zurückgezogen werden; die männlichen Wespen haben keinen Stachel

Warum sterben Bienen nach einem Stich?

Wespe zieht ihren Stachel nach dem Stich wieder aus der Haut.

Bienen und Wespen injizieren beim Stich Gift in den Körper ihres Opfers. Durch die Widerhaken des Stachels bleibt dieser nach dem Stich in der Haut stecken. Fliegt die Biene wieder los, wird der Stachel aus ihr herausgerissen, wodurch sie eine große Wunde am Hinterleib davonträgt und stirbt. Wespen hingegen können im Falle eines Stiches den Stachel wieder aus der menschlichen Haut ziehen, da dieser mit einer stärkeren Muskulatur am Wespenkörper verankert ist.

Ist ein Bienen- oder Wespenstich schlimmer?

Eines ist klar: Weh tut beides. Was sich unterscheidet, ist die Giftmenge. Eine Biene gibt beim Stich bis zu 140 Mikrogramm Gift ab, eine Wespe maximal 3 Mikrogramm.3 Da die Wespe ihr Gift potenziell für mehrere Stiche vorgesehen hat, die Biene hingegen nur einmal zusticht, gelangt beim Bienenstich eine größere Menge Gift unter die Haut.

Bienen- und Wespengiftallergie – Symptome und Erste Hilfe

Bei einer bestehenden Allergie gegen Insektengifte sind neben massiven lokalen, oft tagelang bestehenden Schwellungen, innerhalb kürzester Zeit weitere allergische Reaktionen charakteristisch.

Dazu zählen Symptome wie

  • Juckreiz,
  • Quaddeln sowie
  • Probleme im Verdauungstrakt (etwa Krämpfe, Übelkeit).

Einige Giftkomponenten können Allergiesymptome wie Blutdruckabfall, Tachykardie (gesteigerte Herzfrequenz), Fieber und Atembeschwerden auslösen.

Anaphylaktischer Schock

Die gravierendste allergische Reaktion auf das Bienen- und Wespengift ist der lebensbedrohlicheanaphylaktische Schock (Kreislaufversagen), auch Anaphylaxie genannt. Wenn Sie beobachten, dass jemand eine allergische Reaktion mit schweren Symptomen wie Atemnot oder Quaddeln am ganzen Körper erleidet, wählen Sie den Notruf 112.

Doch nicht nur ein anaphylaktischer Schock ist ein Fall für den Notarzt. Die 112 ist auch in folgenden Situationen zu wählen:

  • Die Person zeigt nach dem Stich systemische Reaktionen. Dabei betreffen die Symptome den ganzen Organismus, ohne örtlichen Zusammenhang zur Stichstelle.
  • Das Insekt hat in den Mund, Hals oder direkt ins Auge gestochen.
  • Die Person erleidet eine sehr große Anzahl an Stichen.

Bei letzterem kann es sehr selten zu schweren Komplikationen kommen, zum Beispiel zu Rhabdomyolyse (Gewebezerfall von Muskulatur) oder Hämolyse (Auflösung roter Blutkörperchen).3

Immer im Gepäck: Das Notfallset bei Allergie

Allergiker sollten im Sommer immer an ihre Notfallmedikamente denken, die im Falle eines Bienen- oder Wespenstichs allergische Symptome lindern und ein akutes Kreislaufversagen verhindern. Im Notfallset enthalten sind unter anderem

  • ein schnell wirksames Antihistaminikum in Tabletten- oder Tropfenform (abschwellend),
  • ein Kortisonpräparat (abschwellend) sowie
  • bei sehr schwerwiegenden Symptomen ein Adrenalin-Autoinjektor (kreislaufstabilisierend).

Generell gilt: Kamen Notfallmedikamente zum Einsatz, sollten Insektenstich-Allergiker einen Arzt aufsuchen – auch, wenn der Kreislauf stabil ist und sich das Allgemeinbefinden bessert. Der Grund: Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Allergiereaktionen zeitverzögert folgen.

Krankheiten infolge eines Bienen- oder Wespenstichs?

Eine durch Bienen- oder Wespenstiche verursachte Krankheitsübertragung ist eher die Ausnahme. Dazu müsste sich die Biene oder Wespe zuvor auf infektiösem Material aufgehalten und dadurch Erreger verschleppt haben, die dann in seltenen Fällen in die Einstichstelle gelangen können. Eine größere Gefahr geht von dem Gift selbst aus, welches durch Bienenstiche oder Wespenstiche in den Körper gelangt – vor allem für den kleinen Prozentsatz an Menschen, die allergische, teils schwere Reaktionen auf den Stich zeigen. Im Idealfall lässt sich durch ein paar Maßnahmen vermeiden, von Bienen oder Wespen gestochen zu werden. Beispielsweise, indem Sie Nahrungsmittel und süße Getränke im Freien immer gut verschließen.

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Julia Lindert
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Medizinredakteurin
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