Die Auwaldzecke: Ein gefährlicher Exot siedelt sich an

Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) sitzt auf einem Blatt

Früher ein seltenes Reisemitbringsel aus Süd- und Osteuropa, ist die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) heute auch in Deutschland heimisch geworden. Die „Buntzecke“, wie sie aufgrund ihrer auffälligen Rückenzeichnung auch genannt wird, überträgt eine für Hunde lebensbedrohliche Erkrankung. Doch auch für den Menschen kann ein Stich der Auwaldzecke gefährlich werden, wenn das Spinnentier Krankheitserreger transportiert.


Herkunft und Verbreitungsgebiet der Auwaldzecke

Das Hauptverbreitungsgebiet der Auwaldzecke lag ursprünglich vor allem im süd- und osteuropäischen Raum (beispielsweise in Ungarn und Norditalien) mit gemäßigtem Klima. Ihren Namen verdankt sie der Vorliebe für Auwälder, also Wälder entlang von Fließgewässern, die häufig von Überschwemmungen erfasst werden. Jedoch ist sie auch auf sonnigen, mit Gras und Gebüsch bewachsenen Flächen zu finden, wo sie bevorzugt in einer Höhe von 30 bis 100 Zentimetern auf ihren Wirt wartet1.

Noch vor etwa 30 bis 40 Jahren war Dermacentor reticulatus in Deutschland eine große Seltenheit. Doch seit einiger Zeit kann man ihr hierzulande immer häufiger begegnen1. Zunächst tauchte die neue Zeckenart vor allem in Süddeutschland auf, sie breitete sich aber schnell in Richtung Norden aus und ist heute in allen Bundesländern vertreten. Inzwischen ist die Auwaldzecke in Deutschland die zweithäufigste Zeckenart nach dem gemeinen Holzbock. Einige Experten vermuten, dass sich der Neuankömmling mit fortschreitendem Klimawandel noch stärker verbreiten wird, da sich die Jungtiere durch die warmen Temperaturen besser entwickeln können.

Woran erkennt man die Auwaldzecke?

Eines der charakteristischen Merkmale der Auwaldzecke ist die auffällige Marmorierung auf ihrem Rückenschild. Beim männlichen Tier bedeckt die Zeichnung den gesamten Rücken, während sie beim Weibchen auf einen Teil des Schildes begrenzt ist. Eine weitere Besonderheit ist ihre Größe. Im vollgesogenen Zustand können die Weibchen bis zu zwei Zentimeter lang werden und sind damit wahre Riesen unter den Zecken2.

Dementsprechend befällt die Auwaldzecke vor allem große Säugetiere, zum Beispiel Rehe oder Rotwild. Aber auch Hunde gehören zum Wirtsspektrum dieser Zeckenart. Außergewöhnlich ist darüber hinaus ihre Art, an Nahrung zu gelangen. Anders als beispielsweise der gemeine Holzbock, verhält sich Dermacentor reticulatus dabei nicht passiv, sondern bewegt sich gezielt auf ihre Beute zu. Diese Zecke geht also regelrecht auf die Jagd. Zecken, die ein derartiges Verhalten zeigen, werden zur Kategorie der „Laufzecken“ gezählt.

Der Lebenszyklus der Auwaldzecke

Ebenso wie bei anderen Zeckenarten beinhaltet auch die Entwicklung der Auwaldzecke drei typische Stufen:

  • Larve
  • Nymphe (zweites Entwicklungsstadium)
  • geschlechtsreifes Tier

Vor jeder Häutung, welche den Übergang zur nächsten Entwicklungsstufe markiert, braucht die Zecke Blut. Das weibliche Tier benötigt außerdem noch eine letzte Blutmahlzeit vor der Eiablage. Der gesamte Lebenszyklus von Dermacentor reticulatus ist im Vergleich zu anderen Zeckenarten außerordentlich kurz und kann innerhalb nur einer Vegetationsperiode (Frühling bis Herbst) ablaufen. Im Gegensatz dazu kann die Entwicklung vom Ei bis zur erwachsenen Zecke beim gemeinen Holzbock zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen1.

Die Eiablage der Auwaldzecke erfolgt immer im Frühjahr. Sowohl die aus dem Ei schlüpfenden Larven als auch die Nymphen nutzen dabei als Wirt fast ausschließlich kleine Säugetiere wie Mäuse. Die Larve findet man vor allem zwischen Mai und Juni, während sich die Hauptaktivitätszeit der Nymphe von Juni bis August erstreckt. Für die Aktivitätszeit der erwachsenen Auwaldzecken können zwei Höhepunkte ausgemacht werden. Einerseits sind sie im Herbst anzutreffen, vor allem im September und Oktober, andererseits aber auch im Frühjahr von April bis Mai.

Hätten Sie das gewusst?

Der eigentliche Akt des Blutsaugens dauert beim geschlechtsreifen Weibchen ganze sechs bis acht Tage1. Die Paarung mit dem männlichen Tier findet währenddessen auf dem Wirt statt.

Weibchen, die im Frühling saugen, legen wenige Wochen später ihre Eier ab. Diejenigen Weibchen, die im Herbst aktiv sind, müssen hingegen zunächst überwintern. Dabei überstehen erwachsene Auwaldzecken, im Gegensatz zu Larven und Nymphen, problemlos auch Frostperioden.

Die Auwaldzecke überträgt eine tödliche Hundekrankheit

Eine besondere Gefahr birgt die Auwaldzecke für Hunde, denn sie ist der Hauptüberträger der sogenannten Babesiose, auch bekannt als Hundemalaria. Jährlich werden in Deutschland etwa drei bis vier Tausend Fälle dieser für Hunde lebensgefährlichen Erkrankung verzeichnet3. Sie wird durch einzellige Organismen der Gruppe Babesia ausgelöst.

Die Babesienart, die durch die Auwaldzecke übertragen wird, heißt Babesia canis canis. Dieser Krankheitserreger bewirkt den Zerfall von roten Blutkörperchen, wodurch es zu Blutarmut und Nierenversagen bei den Vierbeinern kommen kann. Etwa fünf bis sieben Tage nach dem Stich der Auwaldzecke treten in diesem Fall folgende Symptome auf:

  • gestörtes Allgemeinbefinden
  • Fieber
  • Fressunlust
  • Gewichtsverlust
  • dunkel gefärbter Harn

Sollten Sie derartige Krankheitszeichen bei Ihrem Hund bemerken, ist unverzüglich ein Tierarzt zu kontaktieren. Unbehandelt führt die Krankheit nicht selten innerhalb weniger Tage zum Tod des Tieres. Babesiose kann grundsätzlich auch beim Menschen auftreten, allerdings wird sie in dem Fall durch andere Arten von Babesien ausgelöst. In Europa ist beispielsweise meist der einzellige Organismus Babesia divergens für die Erkrankung verantwortlich. Der durch die Auwaldzecke übertragene Erreger Babesia canis ist für den Menschen hingegen ungefährlich.

Die Auwaldzecke: Eine neue Gefahr für den Menschen?

Da der Mensch kein typischer Wirt dieser Zeckenspezies ist, stellen Stiche durch die Auwaldzecke beim Menschen eher die Ausnahme dar. Dennoch wurden solche Fälle in den letzten Jahren bereits dokumentiert. Die Betroffenen berichten von starkem Brennen, Schwellungen und Taubheitsgefühlen am Ort der Einstichstelle. Eine mögliche Erklärung für diese Symptome könnten Toxine sein, die die Zecke beim Stich absondert.

Des Weiteren ist bekannt, dass nahezu die Hälfte der Auwaldzecken in Deutschland sogenannte Rickettsien in sich trägt. Dabei handelt es sich um eine Gattung von Bakterien, die je nach Art Hautveränderungen, fieberhafte Erkrankungen oder sogar Herzmuskelentzündungen hervorrufen können. Ob es sich bei den durch Dermacentor reticulatus übertragenen Rickettsien um eine gefährliche Sorte handelt, wird derzeit noch untersucht.

Neusten Erkenntnissen zufolge können Auwaldzecken schließlich auch das gefährliche FSME-Virus übertragen, gegen das glücklicherweise eine Impfung existiert. Wenn Sie bei sich eine Auwaldzecke entdeckt haben, wird empfohlen, nach dem Entfernen des Parasiten auf mögliche Krankheitszeichen zu achten und sich gegebenenfalls an einen Arzt zu wenden.

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1 Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft. Abgerufen unter: https://www.lwf.bayern.de/mam/cms04/waldschutz/dateien/a73-auwaldzecke.pdf (Stand: 09.01.2018).
2 Epidemiologisches Bulletin des Robert Koch Instituts. Aufgerufen unter: http://edoc.rki.de/documents/rki_fv/reMpHiY1jShg/PDF/23Jt4FXr671Tx6Q.pdf (Stand: 09.01.2018).
3 Bundesverband praktizierender Tierärzte. Aufgerufen unter: http://www.tierklinik-ingolstadt.de/pdf/herbstzecken.pdf (Stand: 10.01.2018)