Hornissen: Nicht so gefährlich wie ihr Ruf

Hornissen auf einem Hornissennest

Hornissen jagen vielen Menschen Angst ein, weil sie im Vergleich zu Bienen und Wespen verhältnismäßig groß sind und einem die Warnungen aus der Kindheit noch in den Ohren klingen. Fakt ist jedoch, dass sieben Hornissenstiche kein Pferd töten können und Hornissen sogar friedlicher sind als ihre Artgenossen – solange ihr Nest unversehrt bleibt. Was Sie beachten müssen, wenn Sie ein solches im eigenen Garten finden und wie die Stechinsekten leben, erfahren Sie hier.



So erkennen Sie eine Hornisse

Die Hornisse zählt zur Gattung der Hautflügler (Hymenoptera) und gehört zur Familie der Faltenwespen. Seit 1984 steht die Hornisse in Deutschland und einigen Bundesländern Österreichs unter Artenschutz.

Der charakteristischste Unterschied der Hornisse im Vergleich zu ihren Verwandten, den Bienen und Wespen, ist ihre Größe. Während Wespen im Durchschnitt nur eine Länge von maximal 20 Millimetern erreichen, werden heimische Hornissen im Durchschnitt bis zu 30 Millimeter groß. Noch mächtiger können Hornissenarten in Ost-und Südostasien werden. Die dort lebende Riesenhornisse wird bis zu 45 Millimeter groß, wobei die Königin sogar eine stattliche Größe von 55 Millimetern erreichen kann.

Weitere Charakteristika der Hornisse sind

  • ihre schlanke Taille („Wespentaille“) zwischen Brustkorb und Unterleib,
  • ein schwarzer Kopf und Rumpfabschnitt (im Vergleich zur Wespe hat die Hornisse keine gelben Zeichnungselemente) und
  • ein auffällig breiter Hinterkopf.

Der Stachel der Hornisse besitzt im Gegensatz zur Honigbiene keinen Widerhaken. Das bedeutet, dass die Hornisse ebenso wie die Wespe mehrmals zustechen kann.

Hornissennest am Haus oder im Garten – was tun?

Hornissennester sieht man nicht gerne im eigenen Garten, vor allem, wenn dort häufig kleine Kinder herumtoben. Dennoch dürfen Sie das Nest keinesfalls eigenständig entfernen. Denn: In Deutschland sind die Tiere geschützt. Ein Nest darf nur mit einer Ausnahmeregelung (zum Beispiel, wenn ein Allergiker in der Familie lebt oder sich das Nest im Spielbereich eines Kindergartens befindet) und von geschultem Personal entfernt werden. Genauere Auskunft erteilt Ihnen Ihre Stadt oder Gemeinde. Zerstören Sie das Zuhause der Hornissen selbstständig, droht Ihnen ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euroi.

Aber wie verhalten Sie sich richtig? Am besten Sie bewahren Ruhe und beachten ein paar einfache Verhaltensregeln:

  • Erklären Sie Ihren Kindern, dass sie mindestens drei Meter Abstand zum Hornissennest halten sollen.
  • Vermeiden Sie hektische Bewegungen in der Nähe des Nestes.
  • Machen Sie auch beim Rasenmähen am besten einen großen Bogen um das Zuhause der Hornissen.

Befindet sich das Hornissennest direkt vor Ihrem Fenster können Sie zudem ein Fliegengitter anbringen, damit sich kein Brummer im Haus verirrt. Im nächsten Jahr suchen sich die Insekten zum Glück dann sowieso ein neues Zuhause.

Hornissen: Ein Nest für die Königin

Den kalten Winter überleben ausschließlich die Jungköniginnen und ein paar unbegattete Weibchen. Anfang Mai erwachen die zukünftigen Königinnen, die bereits im Vorjahr befruchtet wurden, aus ihrem Winterschlaf und begeben sich sogleich – jede für sich – auf die Suche nach einem neuen Zuhause für ihren Staat. Bevorzugt entscheiden sie sich dabei für trockene, dunkle Hohlräume, zum Beispiel in Bäumen. Stehen nur Vogelnistkästen oder Geräteschuppen auf dem „Wohnungsmarkt“ zur Verfügung, erfüllen diese ebenfalls ihren Zweck.

Hat eine Jungkönigin sich für eine neue Bleibe entschieden, beginnt sie sogleich mit dem Nestbau. Sie sammelt weiches Totholz, zerkaut es und baut daraus wabenförmige Zellen. Pro Tag schafft sie knapp zwei Zellen. In jede Zelle legt sie ein Ei ab. Nach etwa zwei Wochen schlüpfen aus den Eiern kleine Larven, aus denen sich wieder zwei bis drei Wochen später die Arbeiterinnen der Hornissen-Königin entwickeln. Fortan übernehmen sie die Aufgaben der Königin, die sich von nun an nur noch mit dem Eierlegen beschäftigt. Konkret kümmern sich die Arbeiterinnen, die maximal 20 bis 40 Tage überleben, um:

  • die Weiterführung des Wohnungsbaus
  • das Füttern von Larven und Königin
  • die gegenseitige Nahrungszufuhr
  • die Verteidigung des Nests

Der Staat kann zwischen Ende August und Mitte September aus 400 bis 700 Hornissen bestehen und am Ende bis zu 1.400 Zellen umfassen. In diesem Zeitraum legt die Königin auch spezielle Eier, aus denen die Drohnen (Hornissenmännchen) schlüpfen. An schönen Herbsttagen unternehmen sie Flüge im Freien und paaren sich mit den neuen Jungköniginnen. Hornissen bleiben nie zwei Jahre im selben Nest, können sich aber im darauffolgenden Jahr direkt daneben wieder ansiedeln.

Hornissen und Wespen im Vergleich: Wie gefährlich sind sie?

Bezüglich der Gefahr von Hornissen bestehen viele Vorurteile. Im Vergleich zu Wespen gelten Hornissen jedoch als eher friedliebende Insekten, die nur angreifen, wenn sie ihr Nest bedroht sehen. Am besten sollten Sie deshalb einen Sicherheitsabstand von drei bis sechs Metern zu einem Hornissennest halten und vor allem hektische Bewegungen und laute Geräusche in der Nähe des Nestes vermeiden. Auch für „süße Leckereien“ interessieren sich Hornissen nicht sonderlich. Außer Reichweite ihres Nestes tendieren Hornissen eher zur Flucht als zum Angriff. Dennoch kann es passieren, dass Sie versehentlich eine Hornisse bedrängen und diese zusticht. Hornissenstiche sind schmerzhaft, ähneln aber denen von Wespen und sind in der Regel sogar weniger schlimm als Bienenstiche. Das Gift der Hornisse erzeugt neben Schmerzen außerdem eine Hautrötung und Schwellung. Die Behandlung erfolgt wie bei einem Wespen- oder Bienenstich.

Gefährlich kann ein Hornissenstich hingegen bei einer allergischen Reaktion sein. Bei Anzeichen wie plötzlichem Schwindel, Übelkeit oder Kreislaufproblemen sollten Sie unverzüglich den Notarzt verständigen und Erste-Hilfe-Maßnahmen einleiten.

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i Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) § 65 Abs. 1 Nr. 1.