Schnaken, Schneider und wie Stechmücken noch genannt werden

Schneider aus der Nähe: Schnaken sind harmlose Insekten, die nicht stechen können

„Schnaken“ werden in einigen Regionen Deutschlands zu Unrecht beschuldigt, denn es sind nicht sie, die uns im Sommer juckende Stiche verpassen, sondern Mücken. Eigentlich ganz einfach zu merken, würden die Schnaken in unterschiedlichen Regionen Deutschlands nicht die verschiedensten Namen (wie Schneider, Pferdemücken oder Schnok) haben. Sie blicken nicht mehr durch? Hier gibt es die Erklärung!


Sprach-Wirrwarr rund um die Schnaken

Schnaken haben ein Problem – und zwar ein Mundartproblem. Denn in einigen Regionen Deutschlands, insbesondere in Süddeutschland, wird ihr Name für die weitaus unbeliebteren Artgenossen – die Stechmücken (Culicidae) – verwendet. Und auch darüber hinaus herrscht in Deutschland Uneinigkeit über die Bezeichnung von Schnaken: Je nach Region werden die echten Schnaken umgangssprachlich sehr unterschiedlich bezeichnet. Bei der echten Schnake handelt es sich um ein langes zweiflügeliges Insekt, das zwar furchterregend aussehen mag, aber eigentlich völlig harmlos ist.

Die vielen Namen der Schnaken

Schnaken heißen nicht überall in Deutschland „Schnaken“. Vielleicht kennen Sie die Fluginsekten unter folgenden Namen: Bachmücken, Pferdemücken, Langbeinmücken, Keilhacken, Mückenhengste, Hexen, Schuster, Schnegger, Slak, Schnok, Amel, Emel, Purks, Pock(s), Hemel, Fräter, Sappen oder Kothammel.
In einigen Gegenden werden Schnaken außerdem Schneider genannt. Das kann schnell verwirren, denn Weberknechte, die zu den Spinnentieren (Arachnida) zählen, werden ebenfalls mancherorts als Schneider bezeichnet. Diese Doppeldeutigkeit ist auch im englischen Sprachgebrauch zu finden. Als „daddy long-legs“ (übersetzbar mit „Meister Langbein“ oder „Opa Langbein“) bezeichnet man in Großbritannien meist Schnaken, in den Vereinigten Staaten hingegen ist damit der Weberknecht gemeint.

Schneider: Schnake oder Weberknecht?

Die gleiche Namensgebung „Schneider“, sowohl für die Schnake als auch für den Weberknecht, liegt wahrscheinlich daran, dass der Weberknecht der Schnake von Weitem sehr ähnlich sieht. Bei genauerer Betrachtung sind Weberknecht und Schnake dennoch gut voneinander zu unterscheiden: Das einfachste Unterscheidungsmerkmal ist die Anzahl der Beine. Ein Weberknecht (Spinne) hat acht Beine, eine Schnake (Insekt) hat sechs Beine und ein Flügelpaar.

Was sind Schnaken (alias Schneider)?

Schnaken (Tipulidae) sind Fluginsekten, die zur Ordnung der Zweiflügler gehören. Des Weiteren werden sie den Mücken zugerechnet, wobei diese Klassifizierung noch nicht abschließend geklärt ist. Insgesamt wurden auf der Welt mehr als 4.000 Schnaken-Arten beobachtet. Davon kommen etwa 140 in Deutschland vor. Zu den häufigsten Arten gehören die Wiesenschnaken und Kohlschnaken, die zu unterschiedlichen Jahreszeiten vermehrt auftreten:

  • Die Kohlschnake (Tipula oleracea) fliegt von April bis in den Juni und in einer zweiten Generation vom August bis Ende Oktober.
  • Die Wiesenschnake (Tipula paludosa) schwirrt nur im August und September umher.

Die Schneider, wie die Schnaken noch genannt werden, tauchen bei uns im Sommer insbesondere in kleinen Schwärmen während der Abendstunden auf. Sie werden von Licht angelockt und verirren sich dadurch manchmal in Häuser, wo sie sich bevorzugt in Zimmerecken, an Fenstern oder bei Pflanzen aufhalten. Die Zweiflügler werden bis zu vier Zentimeter groß und lassen sich vor allem an ihrem graubraunen Körper, ihren schmalen länglichen Flügeln und ihren sehr langen, dünnen Beinen erkennen. Unmittelbar nach dem Schlüpfen können sich die Schnaken bereits paaren; das Weibchen legt seine Eier meist in feuchter oder schlammiger Erde ab. Aus diesen Eiern entstehen nach kurzer Zeit raue madenartige Larven, die sich von Pflanzen ernähren. Da sie mitunter die Wurzeln von Pflanzen anfressen können und diese dadurch schädigen, sind sie in Gemüsebeeten nicht sonderlich beliebt. Nach vier Stadien, die die Larven durchlaufen, verpuppen sie sich. Die Umbauphase in dem Kokon dauert etwa vier Tage. Danach schlüpft ein geschlechtsreifes Insekt. Viele Schnakenarten überwintern aber auch als Puppe und schlüpfen erst danach aus ihrem Gehäuse.

Können Schnaken stechen?

Noch immer hält sich die weitverbreitete Meinung, dass Schneider (Schnaken) stechen. Doch Schneider haben nur schwach ausgebildete Mundwerkzeuge, mit denen sie die menschliche Haut nicht durchdringen können. Sie nehmen damit nur Flüssigkeiten wie Nektar oder Wasser auf und sind für den Menschen völlig harmlos.

Mücken, Schnaken oder Fliegen? – Der Überblick!

AussehenSchadwirkung beim Menschen
Mücken (Nematocera)meist schlanke Insekten mit fadenförmigen, vielgliedrigen Fühlern (Antennen) und langen, dünnen Beineneinige Arten wie die Kriebelmücke sind Blutsauger; Stich kann zu pseudoallergischen Reaktionen führen
Schnaken (Tipulidae) werden der Familie der Mücken zugeordnetschlanker Körper und schmale Flügel; können bis zu 40 Millimeter groß werdensehr weiche Mundwerkzeuge, die nur der Aufnahme von Flüssigkeit dienen; für den Menschen harmlos
Fliegen (Brachycera)meist gedrungene Körper und kurze Fühler; dunkel, aber auch bunt oder metallisch gefärbt; zum Teil pelzig behaart; auffällig sind meist die großen Facettenaugenbis auf wenige Ausnahmen (zum Beispiel der Wadenstecher) harmlos; nehmen Nahrung saugend oder leckend auf; gelten jedoch als Hygiene-Schädlinge und können Krankheiten übertragen

Die Schnaken treten häufig in Schwärmen auf und können so massenweise in Wohnungen gelangen. Als Schutz vor einer Schnaken-Invasion empfiehlt es sich deshalb:

  • Lichtquellen bei geöffnetem Fenster zu meiden sowie
  • Fenster- oder Fliegengitter anzubringen.

Des Weiteren können die Larven der Schnaken durch ihre Gefräßigkeit ein echtes Problem für Gärtner werden: Bei starkem Schädlingsbefall ist unter Umständen eine Behandlung von Wiese und Pflanzen mit Kalkstickstoff notwendig. Aber auch der Einsatz von Lockmitteln ist eine geeignete Methode, um die Schneider-Larven zu bekämpfen.

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