Läuse – widerspenstige Parasiten

Kopfläuse und Nissen auf Menschenhaar

Läuse sind wahre Überlebenskünstler: Sie krabbelten bereits auf den Köpfen von ägyptischen Pharaonen1 und befielen wahrscheinlich auch schon die Dinosaurier. Und auch noch heute plagen sie Pflanzen, Vögel und Säugetiere. Auf den Menschen haben es vor allem die Filz-, Kleider- und Kopfläuse abgesehen. Lesen Sie hier mehr über die kleinen Blutsauger und wie Sie die unerwünschten Gäste schnell wieder loswerden können.


Ohne Wirt nicht überlebensfähig

Es gibt viele verschiedene Arten von Läusen – gemein haben sie alle, dass sie auf Kosten eines Wirtes leben. Dabei muss der Wirt nicht zwangsläufig ein Tier oder Mensch sein. So sind unter anderem Pflanzenläuse wie Blatt- oder Schildläuse anzutreffen, die sich vom Saft der Nutz- oder Zierpflanzen ernähren. Bei den Tierläusen gibt es ebenfalls viele Arten, wie die Hunde- oder Schweinelaus. Meist bevorzugen sie bestimmte Arten von Wirten und haben sich diesen zum Beispiel durch die Farbe ihres Panzers speziell angepasst. Es können aber auch verschiedene Läusearten denselben Wirt befallen. Theoretisch können Kopf- und Filzläuse den Menschen gleichzeitig plagen.

Menschenläuse besitzen sechs hakenartige Klauen, mit denen sie sich gut an ihren Wirt festklammern können. Außerdem sind die Insekten mit einem stechend-saugenden Mundwerkzeug ausgestattet. Mbeit diesem ritzen sie zunächst die Haut auf und schlürfen dann das Blut ihres Wirtes. Läuse können weder fliegen noch so hoch springen wie Flöhe, sie sind aber flinke Krabbler und können dadurch schnell von einem zum nächsten Opfer gelangen.

Steinalte Läuse

Wie lange gibt es Läuse schon? Nach neueren Erkenntnissen der Wissenschaft schon sehr lange. Die Untersuchung der Gene von Läusen legt nahe, dass die Parasiten schon vor weit mehr als 65 Millionen Jahren existierten – sie haben also schon die Dinosaurier befallen. Für Forscher fungieren Läuse somit als wichtige lebende Fossilien. Denn bisher gingen sie davon aus, dass durch den Meteoriteneinschlag, der die Dinosaurier ausrottete, viele weitere Spezies ausgestorben seien. Da Läuse sich jedoch bestimmten Tieren anpassen, aber nicht mit einigen ihrer Zeitgenossen ausstarben, schlussfolgern die Wissenschaftler, dass weit mehr Tierarten überlebt haben, als bisher angenommen2.


Kopfläuse und Co. – welche Läuse befallen den Menschen?

Beim Menschen fühlen sich besonders drei Läusearten wohl: Kopfläuse, Filzläuse und Kleiderläuse. Sie alle haben es auf das Blut des Menschen abgesehen und hinterlassen stark juckende Bissstellen. Die Filzläuse fühlen sich besonders in warmen, behaarten Bereichen wie in der Schambehaarung wohl und werden bei engem, intimen Kontakt übertragen. Kopfläuse lauern hingegen meist in den Haaren von Kindergarten- oder Schulkindern, da die Kleinen ihre Köpfe beim Spielen häufig zusammenstecken. Entgegen der noch immer herrschenden Meinung sind Kopfläuse jedoch keinesfalls ein Zeichen mangelnder Hygiene.

Kleiderläuse haben ihren „Rückzugsort“ in Kleiderfalten und suchen den Menschen auf, wenn sie durstig werden. Zu einem Befall kommt es oft dort, wo Menschen auf engerem Raum zusammenleben und beispielsweise die gleiche Kleidung oder Bettwäsche benutzen. Im Gegensatz zu den anderen Menschenläusen können über den Kot der Kleiderläuse auch Krankheiten wie das Fünftagefieber, Rückfallfieber oder Fleckfieber verbreitet werden. Einen Befall müssen Sie deshalb dem Gesundheitsamt melden.

Läuse des Menschen im Überblick

Kopfläuse
Filzläuse
Kleiderläuse
Aussehenausgewachsen bis zu vier Millimeter; blass-grau beziehungsweise braun-rötlich (nach der Blutaufnahme)ein bis zwei Millimeter; gräuliche Farbe, ähneln einer Krabbeetwa 4,5 Millimeter groß; weiß bis bräunlich gefärbt
LebensraumKopf des Menschen (vor allem hinter den Ohren und an den Schläfen)Schambehaarung, Achselhaarebevorzugt in Kleiderfalten; zur Nahrungsaufnahme am Körper des Menschen
Übertragungbevorzugt in Kleiderfalten; zur Nahrungsaufnahme am Körper des Menschendurch engen intimen Kontaktenger Körperkontakt, gemeinsames Benutzen von Kleidung/Bettwäsche
Risikokein Infektionsrisiko, aber starker Juckreizkein Infektionsrisiko, aber starker JuckreizInfektionskrankheiten wie Fünftagefieber, Rückfallfieber und Fleckfieber

Hilfe Läuse – was tun?

Läuse will man so schnell wie möglich wieder loswerden. Da die kleinen Plagegeister ungewöhnlich hartnäckig und sehr klein sind, ist das gar nicht so leicht. Lesen Sie hier, wie Sie am besten vorgehen:

Kopfläuse mit Antiläusemittel loswerden

Wenn sich das Jucken am Kopf als Lausbefall herausstellt, sollten Sie erst einmal Ruhe bewahren. Kopfläuse sind zwar unangenehm, jedoch nicht gefährlich. Am besten Sie besorgen sich in der Apotheke gleich zwei Dinge: Ein Antiläusemittel und einen Läusekamm. Diese beiden Utensilien stellen geeignete Mittel zur Bekämpfung der Parasiten dar.

Verwenden Sie das Antiläusemittel (gemäß der Beschreibung der Packungsbeilage) und waschen Sie das Mittel anschließend gut aus. Kämmen Sie dann Ihre Haare Strähne für Strähne mit dem Läusekamm. Mit etwas Haarspülung erleichtern Sie das Durchziehen des Kamms. Dieser besitzt extra enge Zacken, wodurch Läuse und Nissen (Läuseeier) hängen bleiben. Suchen Sie Ihren Kopf zudem noch einmal in den nächsten Tagen auf Kopfläuse ab. Außerdem sollten Sie die Behandlung nach etwa neun Tagen wiederholen – so lange benötigen die Kopfläuse bis sie aus den Eiern schlüpfen. Dann sind Sie auf der sicheren Seite.

Gut zu wissen:

Bettwäsche und Kleidung können Sie bei 60 Grad in der Waschmaschine waschen. Das Einfrieren von Kuscheltieren ist hingegen nicht notwendig, da Läuse außerhalb des Kopfes ohnehin nur maximal zwei Tage überleben können. Ein Absaugen von Teppichen und Polstermöbeln ist ausreichend.

Behandlung von Filzläusen

Ähnlich wie für Kopfläuse gibt es für Filzläuse spezielle Shampoos, Cremes, Sprays oder Lösungen in der Apotheke. Diese sollten Sie auf die entsprechende Stelle auftragen und gemäß der Produktangabe einwirken lassen. Durch die chemischen Mittel werden sowohl die ausgewachsenen Läuse wie die Eier abgetötet. Eine Komplettrasur kann ebenfalls hilfreich sein.

Bis die Läuse vollständig entfernt sind, sollten Sie auf Geschlechtsverkehr verzichten, um Ihren Partner nicht anzustecken.

Kein Platz für Kleiderläuse

Der Vorteil von Kleiderläusen ist, dass sie sich eher auf der Kleidung als auf dem Körper aufhalten. Dementsprechend reicht es, die Kleidung oder Bettwäsche

  • bei mindestens 60 Grad zu waschen,
  • in der Gefriertruhe einzufrieren oder
  • gleich zu entsorgen.

Außerdem kann Ihnen der Arzt Salben zur Behandlung der Bissstellen verschreiben.

Läusen vorbeugen – geht das?

Sich komplett vor Läusen zu schützen ist nicht möglich, insbesondere Kinder fangen sich bei einer Epidemie in der Schule oder im Kindergarten schnell mal die Plagegeister ein. In diesem Fall ist es wichtig, unverzüglich die Einrichtung und Eltern anderer Spielkameraden zu informieren.

Aber es gibt noch weitere Tipps, um Läusen vorzubeugen:

  • Wurde ein Läusefall in der Schule gemeldet, können Eltern beispielsweise etwas älteren Kindern erklären, dass sie ihren Kopf beim Spielen nicht zu nahe an den ihres Spielkameraden halten sollen.
  • Außerdem sollten Geschwister von infizierten Kindern beispielsweise nicht dasselbe Handtuch oder dieselbe Bürste verwenden.
  • Kleiderläusen können Sie vor allem dadurch vorbeugen, indem Sie Ihre Kleidung regelmäßig wechseln und bei mindestens 60 Grad waschen. Achtung auch beim Kauf von gebrauchter Kleidung! Diese sollten Sie vor dem Anziehen unbedingt waschen.
  • Besteht bei Ihrem Partner ein Verdacht auf Filzläuse, sollten Sie außerdem mit dem Geschlechtsverkehr warten, bis die Behandlung abgeschlossen ist.

Um einer erneuten Läuse-Infektion vorzubeugen, ist eine regelmäßige Kontrolle nach der Behandlung erforderlich. In manchen Fällen kann es nämlich passieren, dass einige Läuse die Behandlung überleben.

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1Darai G. et al. (2012): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen (4. Aufl.) Heidelberg: Springer Verlag, S. 476.

2Smith V. et al. (2011): Multiple lineages of lice pass through the K–Pg boundary. In: Biology letters. Ausg. 7, Nr. 5, S. 782-786.