Ameisen: Das große Krabbeln

Ameisenstich beim Menschen: Injektion des AmeisengiftsZählt man das Gewicht aller Ameisen auf der Welt zusammen, so entspricht dies in etwa dem Gewicht, dass alle Menschen der Erde auf die Waage bringen. Dieser Vergleich ist zwar nicht unumstritten, jedoch wählen Insektenforscher gerne diese Gegenüberstellung, um zu betonen, wie viele Ameisen die Weltkugel bevölkern – und das sind einige, wenn man bedenkt, dass eine einzige im Durchschnitt nur etwa fünf Milligramm wiegt. In unserer direkten Umgebung sind Ameisen nicht immer beliebt: Sie können beißen und zu einer regelrechten Plage werden.

Über 100 Arten von Ameisen gibt es hierzulande

Mehr als 13.000 Ameisenarten krabbeln über die Erde. Die sechsbeinigen Insekten werden der Ordnung der Hautflügler zugerechnet. Unsere heimischen Arten erreichen dabei nur in wenigen Fällen eine Körpergröße von über einem Zentimeter.

In Deutschland leben etwa 115 verschiedene Arten, die sich in ihrer Lebens- und Ernährungsweise stark unterscheiden können. Die wohl bekannteste Ameisenart in Deutschland ist die Waldameise, die mittlerweile jedoch vom Aussterben bedroht ist. Für das Ökosystem ist sie sehr nützlich, weil sie einerseits Waldschädlinge bekämpft und andererseits eine Nahrungsquelle für viele Vogelarten darstellt.

Als die schädlichste aller Ameisenarten in Deutschland gilt die sehr kleine Pharaoameise. Die Arbeiterinnen sind etwa zwei Millimeter groß und dringen daher oft sehr leicht über kleine Ritzen und Spalten in Häuser ein. Vor allem, wenn die Ameisen in medizinische Einrichtungen gelangen, kann das gefährlich werden: Die kleinen Insekten nehmen dann unter Umständen Keime auf und übertragen sie. In den USA hat sich vor allem die Feuerameise zu einer regelrechten Plage entwickelt. Die Art, die ursprünglich aus Südamerika stammt, wurde in den 1930er Jahren eingeschleppt und hat sich durch ihre Aggression gegenüber anderen Ameisen rasch verbreitet.

Lang lebe die Königin!

Interessant ist vor allem, wie die Ameisen zusammenleben. Ameisenvölker bestehen aus hunderten bis Millionen Mitgliedern. Damit die Organisation in diesem „Staat“ klappt, hat jede Ameise von Geburt an eine feste Aufgabe:

  • Arbeiterinnen sind flügellos und leben etwa zwei bis drei Jahre. Ihre Aufgabe ist es, Nahrung zu beschaffen, die Königin und ihre Eier zu versorgen und sich um den Nestbau zu kümmern.
  • Soldatinnen besitzen einen etwas größeren Kopf und ein ausgeprägteres Mundwerkzeug als die Arbeiterinnen und bewachen hauptsächlich das Nest ihrer Königin.
  • Die Königin unterscheidet sich von den gewöhnlichen Arbeiterinnen und Soldatinnen schon durch ihr Aussehen: Sie ist größer als die Ameisen ihres Volkes und an ihrem auffallend großen Hinterleib zu erkennen, da sie voll ausgebildete Eierstöcke besitzt. Auch ihr Brustkorb ist größer als der ihrer Artgenossen, denn die Ameisenkönigin besitzt Flügel, die sie nach der Begattung abwirft. Die Königin kann 10 bis 30 Jahre alt werden.

Die Männchen spielen meist eine eher untergeordnete Rolle bei den Ameisen. Sie entwickeln sich aus unbefruchteten Eiern und begatten die junge Königin während des sogenannten „Hochzeitsfluges“. Nach der Paarung sterben die Männchen nach wenigen Tagen, die Königin verliert ihre Flügel und gründet eine neue Kolonie oder kehrt in den elterlichen Bau zurück.

Ameisenstraße: Einer für alle, alle für einen

Findet eine Ameise zufällig Nahrung, dauert es meist nicht lange, bis sie ihre Artgenossen informiert hat. Dann lässt sich beobachten, wie die Ameisen schon nach kurzer Zeit eine gut funktionierende Ameisenstraße organisieren, die den kürzesten Weg vom Ameisennest zur Futterquelle weist. Aber warum funktioniert das so gut? Ameisen besitzen Antennen, mit denen Sie tasten, riechen und schmecken können. Sind Kundschafter bei ihrer Suche erfolgreich, hinterlassen sie Botenstoffe, sogenannte Pheromone, die den anderen Ameisen den Weg weisen. Große Nahrungsbrocken zerkleinern die Ameisen daraufhin im Teamwork und transportieren sie nach Hause.


Gut zu wissen!

Klein, aber oho: Ameisen, die selbst nur sechs bis zehn Milligramm wiegen, können – je nach Ameisenart– das Dreißig- oder Fünfzigfache ihres Gewichts tragen. Im Vergleich: Ein 70 Kilogramm schwerer Mann müsste 3,5 Tonnen Gewicht heben, um mit der Ameise mitzuhalten.

Sind Ameisenbisse bzw. Ameisenstiche für den Menschen gefährlich?

Ameisen suchen, anders als Stechinsekten, nicht unbedingt die Nähe des Menschen, allerdings können sie ihn durchaus mit ihren Stichen etwas plagen. Viele Ameisen besitzen zum einen Mundwerkzeuge, die der Nahrungsaufnahme und gleichzeitig der Verteidigung dienen, und zum anderen einen Giftapparat: Mit einem Stachel an ihrem Hinterleib können sie das Gift direkt in den Feind injizieren. Bei anderen Ameisen ist dieser Stachel zurückgebildet. Sie beißen ihren Gegner zunächst und spritzen dann das Gift über die Drüsen im Hinterleib direkt in die Bisswunde.


Ameisenstich: Was ist Ameisensäure?

Die ätzende und stechend riechende Flüssigkeit (Methansäure) nutzen Ameisen der Unterfamilie Formicinae (Schuppenameisen) zu Verteidigungszwecken. Industriell hergestellte Ameisensäure wird auch in Desinfektionsmitteln verwendet, da die chemische Lösung gut Bakterien abtöten kann.

Gefährlich ist die Säure in dieser kleinen Dosis für die meisten Menschen nicht, bei einem Ameisenstich entsteht jedoch ein typisch brennender Schmerz. Manchmal bilden sich ebenfalls Rötungen, Schwellungen oder Pusteln. Zur Behandlung eignen sich neben Salben aus der Apotheke auch der Saft einer halbierten Zwiebel oder Essig, die beide desinfizierend wirken.

Giftiger als andere Ameisen sind die Feuerameisen. Bei einem Ameisenstich dieser Art wird Gift mit Alkaloiden injiziert, das bei einigen Menschen heftige allergische Reaktionen bis hin zu einem anaphylaktischen Schock auslösen kann. Auch Ameisenbisse bedürfen einer gewissen Behandlung.

Eindringlinge in Haus und Garten: So halten Sie Ameisen fern!

Ameisen sind für die Natur sehr wichtig: Sie lockern die Erde auf, bauen pflanzliche Materialien ab und verbreiten Pflanzensamen. Für den Gärtner können Sie aber auch sehr lästig werden, weil sie beispielsweise Terrassen und gepflasterte Wege unterhöhlen und somit zum Einsinken bringen. Noch schlimmer ist es, wenn die Ameisen, angelockt von süßen Lebensmitteln, einen Weg ins Haus finden und dort die Küche befallen.

Aber keine Sorge, es gibt einige Tricks, um die Plagegeister – auch ohne chemisches Gift – wieder loszuwerden:

  • Wenn sich ein Ameisennest an einer ungünstigen Stelle im Garten befindet, können Sie dieses mit einem Blumentopf umsiedeln. Stülpen Sie einen Blumenkübel mit Zeitungspapier und etwas Marmelade befüllt über das Nest. Nach ein paar Tagen ist der Staat komplett eingezogen und Sie können den Blumentopf mit einer Schaufel umquartieren. Das alte Nest sollten Sie mit stark riechenden Kräutern wie Lavendel für die Ameisen unattraktiv machen.
  • Ameisen haben einen empfindlichen Geruchssinn und werden von intensiven Gerüchen wie von Zimt, Chili, Nelken, Essig, Knoblauch, Lavendel, Majoran oder Thymian abgeschreckt. Geben Sie die Gewürze in die Nähe der Ameisenstraße, um sie zu vertreiben.
  • Kreide soll Ameisen ebenso fernhalten. Ziehen Sie mit Straßenkreide eine Linie, über die die Tiere nicht krabbeln sollen. Der Nachteil: Die Schutzlinie hält in der Regel nicht lange und muss dann wieder erneuert werden.
  • Bewährt haben sich zudem Kupfermünzen. Legen Sie einige Cent-Stücke in den Weg der Ameisenstraße oder am besten vor die Ritzen, die ins Haus führen.
  • Halten Sie alle Lebensmittel geschlossen und leeren Sie im Sommer regelmäßig den Müll. So kommen die Ameisen erst gar nicht in ihr Zuhause.

Wenn diese Maßnahmen nichts bringen, helfen als natürliches „Gift“ Backpulver oder chemische Giftstoffe aus dem Baumarkt. Allerdings sterben die Ameisen dann – eine solche Maßnahme sollte daher nur als letztes Mittel angewandt werden.

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